Die israelischen Parlamentswahlen vom 27. Oktober 2026 haben keinen eindeutigen Sieger hervorgebracht und hinterlassen eine ungewisse politische Lage. Laut Prognosen des TV-Senders Channel 11 bleibt die Likud-Partei von Premierminister Benjamin Netanjahu mit 25 von insgesamt 120 Mandaten die stärkste Kraft, wobei andere Sender 24 Sitze beziffern. Die Mitte-Partei Jaschar des Ex-Militärchefs Gadi Eisenkot folgt auf dem zweiten Platz mit 21 Mandaten. Trotz dieser Positionen erreicht weder das Lager Netanjahus noch das seiner Rivalen die absolute Mehrheit in der Knesset.
Die aktuelle Datenlage deutet auf ein knappes Rennen hin, bei dem das Lager von Eisenkot mit etwa 53 Sitzen drei Mandate vor dem Block Netanjahus liegt, der lediglich 50 Sitze erreicht. Diese Ergebnisse werden von der Opposition als deutliche Niederlage der aktuellen Regierung gewertet. Oppositionsführer Jair Lapid sprach von einem „totalen Kollaps“ und einer „vernichtenden Niederlage“ des Netanjahu-Blocks. Auch Jair Golan, Vorsitzender der linksliberalen Demokraten, sieht eine „historische Gelegenheit“ für eine Regierung des echten Wandels, da die Öffentlichkeit die Regierung gefeuert habe.
Gadi Eisenkot betonte, dass die Bürger Netanjahu und der für den 7. Oktober verantwortlichen Regierung das Vertrauen entzogen hätten. Er kündigte an, unverzüglich daran zu arbeiten, die Regierung abzulösen und eine zionistische Regierung zu bilden, die eine Wehrpflicht für alle vorsieht. Eine entscheidende Rolle bei der künftigen Koalitionsbildung könnten die arabischen Parteien spielen, die deutliche Gewinne verzeichneten. Die islamisch-konservative Raam-Partei käme laut Channel 11 auf sieben Sitze, während die linksgerichtete Vereinigte Liste zehn Mandate erreichen würde.
Die Wahl war von einer außergewöhnlich hohen Beteiligung geprägt, wobei bis 19:00 Uhr MEZ 74,3 Prozent der rund 7,3 Millionen Wahlberechtigten abgestimmt hatten. Dies ist die höchste Beteiligung zu diesem Zeitpunkt seit Jahrzehnten; zum Vergleich lagen die Werte vor vier Jahren zur selben Zeit bei 66,3 Prozent. Während die Wahlkommission einen Antrag der Likud-Partei auf Verlängerung der Stimmabgabe ablehnte, hielt sich Benjamin Netanjahu bislang zu den Ergebnissen nicht zu Wort. Vorläufige Ergebnisse werden in den kommenden Stunden erwartet, während endgültige Zahlen erst in den nächsten Tagen vorliegen.



